Das neue Gmund Urban

Letzte Woche hatten wir mal wieder Besuch aus dem Hause Gmund. Dass mich die Feinstpapiere aus Gmund am Tegernsee immer wieder begeistern, ist aus zahlreichen Blogbeiträgen ersichtlich. Nicht zuletzt weil mir bisher kaum ein Material untergekommen ist, das sich so gut für Letterpress eignet, wie das Gmund Cotton.

 

Doch auch die neue Kollektion namens Gmund Urban (Produktseite auf www.gmund.com) sticht aus der breiten Masse der Materialien erneut heraus. Schick verpackt in einem Musterbuch, sind auch wieder gewohnt schöne Druckmuster dabei. Diese helfen beim Abschätzen des Druckergebnisses ungemein, denn gerade bei stark strukturierten Materialien kann die Druckqualität sehr unterschiedlich ausfallen.

 

Oberflächen

 

Verfügbar ist dieses Designpapier in drei Oberflächen: Architect, Cement und Brasilia. Während Architect mit einer unglaublich feinen Linienprägung daher kommt, die eher subtil und haptisch, als optisch wahrnehmbar ist, findet man bei Brasilia das genaue Gegenteil. Drucktechnisch gelten dieselben Voraussetzungen, wie bei der Cement-Oberfläche.

 

Kenner älterer Kollektionen freuen sich bei Brasilia über die Neuauflage des Gmund Savanna mit Holzstruktur. Hier dominieren tiefe, farbliche abgesetzte und holzähnliche Prägungen, die einen aus drucktechnischer Sicht definitiv vor Herausforderungen stellen. Aus den Mustern wird ganz deutlich, was man intuitiv annehmen würde. Letterpress punktet bei dieser Prägung klar. Durch den hohen Druck dieses Verfahrens wird die Struktur wieder abgeflacht, was dem gleichmäßigen Farbauftrag zugutekommt. Der Siebdruck kommt kaum mit der Farbe in die tiefe Prägung hinein. So entsteht eine Art "Vintage-Look", der, wenn vorhergesehen und eingeplant, durchaus seine Reize hat. Das ist im Digital- und Offsetdruck bei größeren Flächen auch der Fall, wenn auch weniger ausgeprägt. Grundsätzlich sind in diesen zwei Verfahren aber auch geringe Strichstärken gut lesbar. Wenig verwunderlich ist das gute Ergebnis der Heißfolienprägung. Hier werden im Prinzip die gleichen Maschinen wie im Letterpress genutzt, die einfach gesagt, zusätzlich mit einer Heizung und Folienführung aufgerüstet sind. Mit genug mechanischem Druck wird auch hier gegen die Prägung gearbeitet - mit sehr gutem Ergebnis.

 

Die Oberflächenprägung "Cement" macht ihrem Namen alle Ehre: die körnig raue Oberfläche erinnert stark an den namensgebenden Zement. Hier sind grundsätzlich alle Druckverfahren geeignet und auch Hoch- sowie Tiefprägungen entfalten ihre Wirkungen. Beim Druck von großen Flächen und Bildern sollte trotzdem beachtet werden, dass die Struktur sichtbar bleibt. Auch hier gilt: ist der Effekt bekannt, lässt er sich perfekt ins Layout integrieren.

 

Färbungen

 

Gmund Urban kommt in vier Färbung. Allen gemein ist die industriell matte Farbgebung. Die helle Färbung "Dust" wirkt in der Tat wie ein staubiger Weißton und "Powder" geht stark ins beige. Das dunklere "Grey" erinnert an puristischen Beton und "Black" - nun ja, hier ist da Name Programm. Zumindest fast, denn aus leidlicher Erfahrung wissen wir, dass Schwarz nicht gleich Schwarz ist. Die vorliegende Papierfarbe ist wirklich schön tiefschwarz.

 

 

Verwendbarkeit

 

Man fragt sich bei ausgefallenen Papieren unwillkürlich nach dem möglichen Einsatzzweck. Viele Papier kommen in Musterbüchern wirklich schick daher, werden in der Realität aber kaum eingesetzt. Auch Gmund Urban ist definitiv nicht für jedes Objekt geeignet. Ich denke hier sofort an Einladungs- und Grußkarten, sowie Visitenkarten für Unternehmen, die mit Materialien, wie Beton und Stein, unmittelbar zu tun haben. Das können Architekten und Handwerker aber auch Raumausstatter sein. Gmund Savanna hatten wir auch schon als Visitenkarten für einen Schreiner im Einsatz.

 

Mit dem Musterbuch habe ich auch gleich einige DIN A4-Muster bekommen. Gerade dunkle Materialien sind ja oft recht schwierig zu bedrucken. Offset-Silber wäre eine denkbare Variante, wenngleich die Metallicfarbe nicht unbedingt zum Bedruckstoff passen muss. Siebdruck? Ja - aber je nach Druckbild mit oben genannten Schwächen. Von preislichen Überlegungen mal abgesehen.

 

 

Wie bereits angekündigt haben wir seit kurzem ein digitales Weißdrucksystem in unserem Maschinenpark, dessen Potential noch lange nicht ausgereizt ist. Dank Digitaldruck konnte ich heute einen schnellen Andruck auf Cement Grey machen. Das Ergebnis spricht für sich! Mit Hinsicht auf mögliche Klein- und Kleinstauflagen in der Kombination Digital-Weiß und Urban freue ich mich wirklich auf die ersten Projekte. Und auch bei unserer eigenen Musterproduktion, die mal wieder ansteht, wird dieses Papier mit Sicherheit eine Rolle spielen.

 

Sollten noch offene Fragen bleiben, freue ich mich auf Kommentare, Tweets und Emails.

 

Bis sehr bald!

 

Euer Thomas Karcher